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Sachbuch:
Kankyo Tannier
Preis:
18,- €

Rezension von:
Bewertung:
3
7. November 2019
Letzte Änderung:7. November 2019

Sehr spezielle Gedanken zu Buddhismus, Achtsamkeit und Meditation mit gewöhnungsbedürftigem Schreibstil.

Unterwegs ins Hier & Jetzt

Um es gleich vorweg zu nehmen, was Kankyo Tannier schreibt, findet man in zahlreichen anderen Büchern zu Achtsamkeit, Meditation oder Buddhismus strukturierter und vor allem besser beschrieben. Uneingeschränkt empfehlenswert sind lediglich knapp 50 Seiten. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass dies die Seiten sind, bei denen Tannier genau wusste, was sie aussagen wollte und vor allem wie. Die anderen Seiten sind hochgradig assoziativ. Es fehlt häufig nicht nur der rote Faden auch der Schreibstil verhindert, dass man unvoreingenommen folgen kann. Kankyo Tannier scheint unbedingt zeigen zu wollen, dass sie eine „Nonne 2.0“ (Selbstbeschreibung) ist. Modern, im Leben verankert und zwanglos lustig. Das Ganze ist aber dermaßen zwanghaft, dass genau das Gegenteil erreicht wird. Alle paar Sätze folgt ein Einschub in Klammern der bemüht lustig sein soll. Da wird ernsthaft „lol“ geschrieben. Das mag auf manche „Berührend, offen, charmant“, so der Verlag, wirken, auf andere eher abschreckend oder infantil und weltfremd.

„Kankyo Tannier bringt die Lehre der Achtsamkeit auf den Punkt“ urteilt der Verlag. Und auch das ist das Gegenteil dessen, was Tannier macht. Auf den Punkt ist bei Tannier nun wirklich nichts. Anekdote reiht sich an Anekdote und noch schlimmer, alles wird mystifiziert. Da wird es „magisch“, es geht um Zauberer, Elfen, Schamaninnen, alles nur um den vagen Begriff der Spiritualität irgendwie attraktiv zu machen. Nachdenken wird zu Kontemplation, denn Denken ist nicht gut, kontemplieren hingegen sehr wohl. Ich bin mir nicht sicher, ob man sich damit einen Gefallen tut. Das wirkt so, als wolle Tannier im großen Esoteriksee nach neuen Fischen angeln. Und so werden bei Tannier auch aus Achtsamkeitsübungen „Rituale“. Wozu?

Jedes Werk hat sein Publikum

Irreführend ist auch der Klappentext, der von einem „inspirierenden, einfachen 30-Tage-Kurs“ spricht. Nur kommt dieser Kurs im Buch gar nicht vor. Vermutlich ist das Praktizieren der „Rituale“ gemeint. Dann soll man es aber auch so nennen. Einen 30-Tage-Kurs wie man ihn mit einem MBSR 8-Wochen-Kurs assoziiert, findet hier jedenfalls nicht statt. Dabei sind die Rituale natürlich nichts neues, sondern die bekannten Übungen aus Buddhismus oder weltanschaulich neutraler der MBSR. Was aber auch nicht schadet und kein echter Kritikpunkt sein soll. Die Möglichkeiten sind eben begrenzt und finden sich in zahlreichen Büchern in ungezählten Variationen wieder.

Lesenswert wird es etwa ab Seite 160. Offensichtlich war sie da weitaus weniger abgelenkt, wie sie an einigen Stellen frei zugibt oder hatte einfach mehr Lust zu schreiben, was sie ebenfalls mäßig charmant offenlegt.

Mich hat dieser Schreibstil überhaupt nicht erreicht, aber zumindest das letzte Viertel hat mich inhaltlich etwas versöhnt. Vielleicht sollte man erst einmal in die Leseproben schauen und sehen, ob man mit dem Stil klarkommt. Denn hat man diese Hürde gar nicht oder es gefällt einem dieser Stil sogar, dann findet man sicherlich einen etwas anderen Zugang zu buddhistischen Themen als in vielen anderen Büchern. Und wer sich mit einem esoterischen Verständnis von Spiritualität anfreunden kann, wird hier vielleicht sogar glücklich werden.

Mehr Informationen inklusive Leseprobe gibt es direkt bei Randomhouse.

Unterwegs ins Hier & Jetzt. Buddhistische Impulse, um aus jedem Moment das Beste zu machen.
Kankyo Tannier
Aus dem Französischen von Maike Schuhmacher, Stephan Schuhmacher
Originaltitel: À la Recherche du temps présent
Hardcover mit Schutzumschlag
Seiten: 224
Verlag: Lotos
Preis: 18,- €
ISBN: 978-3-7787-8290-3