Sachbuch:
Shahak Shapira
Preis:
14,99 €

Rezension von:
Bewertung:
4
22. Januar 2017
Letzte Änderung:18. November 2017

Kurzweilige Unterhaltung mit ernstem, aufklärerischen Hintergrund.

Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen! Wie ich der deutscheste Jude der Welt wurde

Shahak Shapira erlangte traurige Berühmtheit als er Silvester 2015 in einer Berliner U-Bahn angegriffen wurde. „Nach dem Einstieg am U-Bahnhof Hallesches Tor sei ihm in dem vollen Wagon dann eine siebenköpfige Gruppe von etwa 18- bis 21-jährigen jungen Männern durch ihre antisemitischen Hassgesänge aufgefallen. »Sie riefen ›Fuck Juden‹ und ›Fuck Israel‹«, erklärt Shapira. Daraufhin habe er sie aufgefordert, das zu unterlassen, und begonnen, die Gruppe mit seinem Handy zu filmen“, so die Jüdische Allgemeine im Januar 2015.

Shahak Shapira wurde geschlagen, getreten und bespuckt. Er erlitt eine Platzwunde sowie Prellungen am Kopf. Antisemitismus ist in Deutschland wieder ein Thema.

Shapira kam mit 14 Jahren, gemeinsam mit seiner Mutter und seinem Bruder, nach Deutschland. Zuvor hatte er in einer israelischen Siedlung im Westjordanland gelebt. Allerdings verschlug es die Familie nach Laucha in Sachsen-Anhalt. „Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen“ ist die autobiografische Erzählung eines jungen Mannes, der als Außenseiter aufwächst und der den alltäglichen Antisemitismus in Deutschland mal mehr und mal weniger spürbar erlebt.

Es ist nicht nur (s)eine Geschichte über latenten Antisemitismus und offenen Rechtsradikalismus, es ist vor allem auch die Geschichte der Deutschen, die dringend den Spiegel vorgehalten bekommen müssen, um sich wieder aus dem Winterschlaf der Gerechten zu wecken. Shapira bedient sich dabei einer jungen, teils schnoddrigen, Sprache, die auch schon ähnlich bei Rayk Anders zielgruppengerecht eingesetzt wurde. Das gefällt sicherlich nicht jedem, aber so ist das eben mit generationenspezifischer Sprache.

Dabei ist sicher nicht jede Pointe gelungen und manches wirkt zu gewollt und dennoch macht sich Shapira nicht einfach über andere lustig, obwohl es häufig genug naheliegend wäre. Auch hat er genügend Selbstironie, um sich nicht allzu wichtig zu nehmen. Manchmal ist das Buch etwas infantil und aus einer sehr jugendlich-männlichen Perspektive geschrieben, aber Fakt ist, er beschreibt ja auch genau diese Phasen. Insofern ist es auch häufig einfach nur ehrlich.

„Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen! Wie ich der deutscheste Jude der Welt wurde“ ist eine Geschichte über Deutschland, über Antisemitismus, über Außenseiter und über einige typisch deutsche Eigenschaften und Eigenarten. Dabei ist Shahak Shapira auch meist amüsant mit einem Hang zum Kalauer. Das Buch liest sich schnell und süffig. Und wer mehr Shapira will, folgt ihm auf Twitter. Da haut er den ein oder anderen Volltreffer raus.

 

Shahak Shapira
Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen! Wie ich der deutscheste Jude der Welt wurde
Verlag: rororo
Erscheinungstermin: 21.05.2016
240 Seiten
ISBN: 978-3-499-63146-7
Originalausgabe
14,99 €

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