Roman:
Daniel Suarez
Preis:
12,99 €

Rezension von:
Bewertung:
5
18. Januar 2017
Letzte Änderung:18. November 2017

Suarez out of control - trotzdem genial!

Der Klappentext spoilert schon zu viel, weshalb ich auf weitere Inhaltsangaben verzichte. Wer sich überlegt „Control“ zu kaufen, kennt Suarez vermutlich schon. Und wer Suarez mag, bekommt von mir ein klare Kaufempfehlung. Ein kurzweiliger Spaß. Beste Unterhaltung.

Suarez erschafft mit seinen Romanwelten ein Auf und Ab der Gefühle, ein emotionales Chaos. Mehrmals war ich geneigt das Lesen empört einzustellen, ob der teils expliziten sadistischen Gewalt. Andererseits sind diese Exzesse nicht mehr so schlimm wie noch bei Daemon oder Darknet. Und da der geneigte Suarez-Leser weiß, dass die despotischen Dystopien des Autors unzählige Analogien in Gegenwart und Vergangenheit haben, wird die Absicht dieser Darstellungen schnell klar. Im Gegensatz zu anderen amerikanischen zeitgenössischen Autoren verkommt die Gewalt bei Suarez nicht zum Torture-Porn, sondern erzeugt die notwendige Empörung, um sich selber gegen die entsprechenden Strukturen auflehnen zu wollen: Werdet Resistoren!

Suarez ist wie immer da besonders stark, wo es um im weitesten Sinne technische Zusammenhänge geht. Das hat ihm einen gewissen Kultstatus bei einigen Internet-Affinen, Nerds, Geeks, Hackern, Gamern, Cyberpunks und vielen anderen „Subkulturellen“ eingebracht. In Control gerät Suarez allerdings die Geschichte selbst ein wenig außer Kontrolle. Während der Reiz in seinen drei anderen Romanen vor allem auch darin bestand, dass die beschriebene Technik bereits existiert bzw. nur geringe „literarische“ Modifikationen erfährt, gehen mit Suarez in Control die Pferde durch. Während in Kill Decision (der m.E. beste Suarez-Roman) die Spannung und Beklemmung aus der „gegenwärtigen“ Bedrohung entsteht, vermag bei Control zu keiner Zeit eine ähnliche Beklemmung auftreten. Alles ist zu weit weg, alles ist zu übertrieben, zu mächtig, zu stark, zu weit weg von der Erfahrungswelt des Lesers. Entkleidet man Control seinem literarischen Rahmen bleibt nicht mehr als eine mittelmäßige Oberschurken Geschichte à la James Bond mit immer den richtigen Gadgets zur richtigen Zeit. Und wenn man mal nicht weiter weiß, kommt eben ein Superheld um die Ecke. Das ist Schade und macht aus emotional mitreißenden einzelnen Kapiteln allerdings in der Gesamtschau eine nur mittelmäßige Geschichte. Ich hatte zunehmend das Gefühl, dass Suarez seine eigene Geschichte entglitten ist.

Hinzu kommt, dass an einigen Stellen offensichtlich Füllmaterial verwendet wurde, um den Roman zu strecken. Eklatant zeigt sich dies an Kapitel 27, das inhaltlich vollkommen überflüssig ist und sich so spannend liest, wie die genaue Beschreibung einer praktischen Fahrschulstunde. Obendrein kommen unüberbrückbare Logikfehler, die ich so in den anderen Romanen nicht gelesen habe. Und damit meine ich nicht die Beschreibung fiktionaler Technik, sondern die inhärente Logik der aufgebauten Geschichte. Da ich nicht spoilern möchte, sollte jeder beim Lesen vielleicht einfach selber darauf achten, was Suarez dem BTC alles für Möglichkeiten einräumt und was dann aber tatsächlich passiert oder nicht passiert. (Oder: what the heck macht eigentlich Sameer?)

Für die hervorragende Unterhaltung und die Schaffung intensiver Emotionen bekommt Control 5 Sterne. Für die Geschichte hingegen gibt es nur 3 Sterne, da sind alle drei anderen Romane von Suarez einfach viel besser. Das würde nun eigentlich verdiente vier Punkte ergeben. Aber der Humor von Suarez ist einfach grandios. Und wer Leeroy Jenkins einarbeitet und mir damit stundenlange Erheiterung beschert, hat einfach fünf Sterne verdient.

Noch ein Wort zu rororo: Stellt doch bitte noch einen weiteren Korrekturleser ein. Bei „… in denen ihrer Welt“ wurde mein Sprachgefühl doch arg beschädigt.

 

Daniel Suarez
Control
Verlag: rororo
Erscheinungstermin: 24.10.2014
496 Seiten
ISBN: 978-3-499-26863-2
übersetzt von: Cornelia Holfelder-von der Tann
Deutsche Erstausgabe

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