cover wargames
Buch zum Film:
David Bischoff
Preis:
nur noch gebraucht erhältlich

Rezension von
Bewertung:
5

Auf einen Blick:

Großartig-Nerdiger Klassiker

Wargames

Nachdem ich den großartigen SciFi-Action-80s-Revival-Anarcho-Spaß von Ernest Cline Ready Player One gelesen hatte, war klar, dass ich auch noch Wargames irgendwie in den SuB integrieren musste. Gesagt. Getan. Der 250 Seiten Nerd-Klassiker ist auch schnell gelesen. Die 1980er Jahre waren geprägt durch die heiße Phase des Kalten Krieges. Heute kann man sich das kaum noch vorstellen. Gegenwärtige Kriegspaniker scheinen in den 80ern geschlafen zu haben. Denn damals gab es wirklich zahlreiche Momente in denen man mit der totalen Auslöschung der Welt in einem nuklearen Winter rechnen konnte. Andererseits sind die Personen an der Spitze einiger Nationen mit einem riesigen Atomwaffenarsenal heute auch nicht gerade besonders vertrauenswürdig.

In den 80ern kam aber noch dazu, dass sich die Welt im Aufbruch befand. Die Computerisierung machte einen riesigen Sprung. Computer wurden leistungsfähiger und vor allem günstiger, weshalb sie auch in allen möglichen Bereichen eingesetzt wurden. Nicht zuletzt waren es die Homecomputer, die die Jugend anspornten und die älteren Semester in reaktionäre Ängste verfallen ließ. Diese Kombination aus revolutionärer Weltveränderung, die die weitere technische Entwicklung der Menschheit exponentiell beschleunigte und die gleichzeitige Angst vor dem Ende der Welt, gab dem Zeitgeist eine eigentümliche Stimmung. Wargames fängt diese Stimmung, gerade der Jugendlichen, perfekt ein, weshalb es auch ein ewiger Kultklassiker der damals jungen Generation bleiben wird.

Ist es ein Spiel oder Wirklichkeit?

Wargames erzählt die Geschichte von David L. Lightman, einem jungen Hacker, Cracker und Gamer, der sich zufällig und ungeahnt Zugang zu einem Hochsicherheitscomputer des Nordamerikanischen Luft- und Weltraum-Verteidigungskommandos verschafft. David denkt allerdings, er hätte sich in den Computer einer Spielefirma eingeklinkt und sucht nach spannenden Games. Er findet das vermeintliche Spiel „Weltweiter Thermonuklearer Krieg“ und beginnt es gegen den Computer zu spielen. Der Computer, mit dem er die Partie begonnen hat, ist allerdings der lernfähige WOPR (War Operation Plan Response). Und dieser ist der Kern des nordamerikanischen Nuklearwaffenprogramms. Hierüber werden die Angriffs- und Gegenschlagspläne der USA koordiniert. Während David glaubt ein Spiel zu spielen, agiert der WOPR als handele es sich um die Realität. Was dazu führt, dass die Welt auf einen Atomkrieg und damit einem nuklearen Winter zusteuert.

Das Buch ebenso wie der Film sind auch heute noch einfach nur genial. Natürlich wirkt alles etwas altbacken – ist es ja auch. Aber es fängt die Gefühle, die Ängste und Hoffnungen der 80er Jahre ausgezeichnet ein. Und die Warnungen vor Krieg und Vernichtung sind leider zeitlos. Ebenso wie die Warnungen vor dem geradezu naiven Vertrauen auf die Technik aktueller denn je erscheinen. Aber jenseits der politischen Bedeutung ist Wargames einfach auch ein schöner Retro-Trip:

„Das Fadenkreuz für die plündernden Aliens war großartig, die verteidigenden Raumschiffe der Erde waren reines Dynamit, und die endgültige Vernichtung der Erde, die den Sieg des Spielers verkündete, war wirklich gonzo.“

Auch der anarchistische Aspekt kommt nicht zu kurz. Etwas, was heute kaum noch existiert. Gerade in Jugendbüchern. Die Anpassung, der Konformismus scheinen wieder auf dem Vormarsch zu sein. Umso erfreuter lese ich dann:

„Sie war zu fest in eine gesellschaftliche Programmierung verflochten, die ihr sagte, daß es die Autoritäten waren, die die Gesetze machten und man nicht daran herumfummeln durfte, selbst wenn man klüger war als diese Geistesschwachen, die einem vorschrieben, wie man sich zu verhalten hatte.“

Dieses Widerständige war ein Merkmal der 80er Jahre. Und diese Konformität ist ein Merkmal des neuen Jahrtausends. Eine besonders absurd-traurig stimmendes Paradebeispiel ist dabei E.T. Während im 1982er Original das FBI und andere Sicherheitsbehörden mit Waffen gegen die Jugendlichen vorgehen, wurden diese in der 2002er Remastered-Version digital entfernt und durch Funkgeräte ersetzt. Steven Spielberg war der Meinung, die Behörden würden zu negativ rüberkommen.

Hier unschön zu sehen ab 5:37

 

Mehr Informationen zum Film gibt es beim großartig nerdigen Tor-Online.

David Bischoff
WarGames. Kriegsspiele.
Übersetzt von Hans Mater
Verlag: Heyne Verlag
Erschienen: 1983
Broschiert
Seiten: 250
ISBN: 978-3453019201
Preis: 6,80 DM 😉