cover ready player one
Science Fiction Klassiker:
Ernest Cline
Preis:
9,99 €

Rezension von
Bewertung:
5

Auf einen Blick:

Pflichtlektüre für 80er- oder SciFi-Nerds

Ready Player One

Ich mache es zu Beginn mal kurz: „Lieber Ernest Cline, bitte, bitte schreib doch beim nächsten Mal einfach 500 Seiten mehr“. Ready Player One ist einfach zu kurz. Klar, sind auch 500 Seiten, aber dennoch: zu kurz. Ich gebe es zu, ich bin ein SciFi-Nerd. Kein Genre kann mich mehr fesseln, begeistern und von der Realität entführen. Kein anderes Genre bindet mich so sehr ans Buch, dass ich 500 Seiten an einem Tag lesen kann. Und so war es auch bei RPO. Verdammt. Ein Pageturner par excellence. Und nun ist es schon wieder vorbei. Da hilft es auch nicht, dass Steven Spielberg nächstes Jahr die Verfilmung ins Kino bringen will. 1)Zumal wenn ich die ersten Szenen aus dem Film sehe, scheint es mir mal wieder der typische Fall zu werden: Film macht Buch kaputt.

Ready Player One ist in diesen Tagen als Taschenbuch neu aufgelegt worden und zwar – wer hätte es gedacht – von Fischer TOR, der sich zum wesentlichen Science Fiction Verlag in Deutschland mausert. Das Buch wurde mir bereits vor Jahren von einem ganz wundervollen Menschen empfohlen, aber irgendwie war es mir dann doch als gebundenes Buch zu teuer und ich verlor es wieder aus den Augen. Dementsprechend erfreut und gespannt war ich, als ich gelesen hatte, das Fischer TOR die Neuauflage als Taschenbuch plant. Und diese auch noch zu einem absolut fairen Preis. Diesmal also nicht lange warten, sondern gleich zugreifen. Vorbestellt und am Erscheinungstag lag es im Briefkasten. Bämm. So wünsche ich mir das.

Willkommen in der OASIS

Ready Player One ist keine klassische Dystopie mit ausgefeilten Zukunftsvisionen. Vielmehr ist es eine Hommage an die Zukunftsvisionen, wie sie in Filmen und Computerspielen der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts vorherrschend waren: etwas holzschnittartig aber mit viel Liebe und Enthusiasmus. Und genauso kommt auch RPO daher. Im Jahr 2044 steht die Welt (mal wieder) wirtschaftlich und ökologisch am Abgrund. Die Armut hat den Großteil der Menschheit im Griff. Zum Glück gibt es mittlerweile die OASIS, eine virtuelle Realität oder besser: die virtuelle Realität. Die Mehrheit der Menschen verbringt hier die meiste Zeit ihres Lebens, sowohl Freizeit als auch Arbeitszeit. Die OASIS von Ernest Cline erinnert dabei nicht ganz unwesentlich an DAEMON und DARKNET von Daniel Suarez. Aber Cline hat eine andere Vision, Cline ist die FSK 12 Variante von Suarez. Es ist kein SciFi-Horror oder -Actionspektakel, sondern eine liebenswert lesenswerte, banale Unterhaltung. Und das ist auch gut so.

Ready Player One ist nicht überfrachtet. Gesellschaftskritik ist so viel vorhanden wie im Film Total Recall mit Arnold Schwarzenegger, gibt es zwar irgendwie im Hintergrund, spielt aber eigentlich keine wesentliche Rolle. Dazu ist das Worldbuilding viel zu rudimentär. Hier ist der Plot der Hauptdarsteller und Spannungsmagnet. Selbst die Protagonisten sind im Style der 80er skizziert. Einfache Charaktere mit kaum tiefe und Überraschungen. Die Handlungen sind weitestgehend erwartbar und bis ins Absurde überzeichnet: unüberwindbare Hindernisse gibt es nicht. Zum Scheitern ist keine Zeit, so war das in den 80ern. Ein schnelles Jahrzehnt. So schnell, dass man sogar Zurück in die Zukunft wollte.

Clines Ready Player One ist vor allem ein Abenteuerbuch. Eine Schatzsuche im RPG-Design. Der Jugendliche Wade lebt in einem Trailerpark in den USA. Die Trailerparks sind nicht mehr nur riesengroße Flächen nebeneinander stehender Trailer, mittlerweile werden die Wohnwagen sogar übereinander gestapelt. Der Erfinder der OASIS, mittlerweile Multimilliardär, verstirbt und hinterlässt sein Vermögen demjenigen, der eine Quest im seinem OASIS-Universum löst. Wie zu erwarten stürzt sich die halbe Menschheit darauf, das Rätsel zu dechiffrieren. Und neben Wade, aus dessen Retrospektive wir die Jagd nach dem verlorenen Schatz begleiten, und einigen anderen Protagonisten, ist selbstverständlich auch ein (unbedingt faschistoider) Megakonzern hinter dem Geld und der Macht des OASIS Erbes hinterher. Bist du bereit für dieses irre und spaßige Abenteuer?

Are you Ready Player One?

Ernest Cline wird gerne mal vorgeworfen alles sei Stereotyp und Klischee. Dem kann man nur entgegnen: Ja, klar. Das ist doch der Sinn. So wurden die Protagonisten und Welten nun mal früher gezeichnet. Die Guten waren gut und die Bösen waren böse. Was wäre das denn bitte für eine Liebeserklärung an die 80er, wenn sich nun der ganze Stil an die Erzählweise der Gegenwart anlehnen würde. Genau diese Simplifizierung der Verhältnisse erweckt doch gerade erst das Gefühl der „guten alten Pionierzeit“, als die ersten Computerspiele die Jugendzimmer erreichten. Damals nannte man die Computer übrigens noch HC für Homecomputer im Gegensatz zu PC für Professional Computer. Meine ersten Computererfahrungen machte ich allerdings nicht wie so viele auf dem C64, sondern auf dem Armstrad/Schneider CPC6128. Und Ernste Cline gelingt es in hervorragender Weise, das Lebensgefühl und das Storytelling der 80er einzufangen. Filme, Spiele und Musik werden wiedererweckt und -entdeckt.

Ready Player One ist einfach ein riesiger Spaß. Belletristik at it‘s best. Man sollte keine großartige Literatur erwarten und auch Schreib- und Sprachstil sind simpel gehalten. Selbst besondere Formulierungen finden sich auf den 500 Seiten nicht. So fucking what? Wer Science Fiction mag, wer sich einfach nur bestens unterhalten lassen will und wer einen Bezug zu den 80ern hat, sollte spätestens jetzt beim Taschenbuch zuschlagen.

Und natürlich werde ich War Games, welches auf meinem Zweit-SuB liegt (der für die Bahnfahrten), nun weiter nach oben legen (müssen).

 

Mehr Informationen inklusive Leseprobe direkt bei Fischer TOR.

Und ein kleines Special gibt’s bei TOR auch noch.

 

Ernest Cline
Ready Player One
Aus dem Amerikanischen von Hannes und Sara Riffel
Taschenbuch
Seiten:
Preis: 9,99 €
Verlag: Fischer Verlage (TOR)
ISBN: 978-3-596-29659-0
Erscheinungsdatum: 27.04.2017

 

Nachweise   [ + ]

1. Zumal wenn ich die ersten Szenen aus dem Film sehe, scheint es mir mal wieder der typische Fall zu werden: Film macht Buch kaputt.