Science Fiction:
Andreas Brandhorst
Preis:
14,99 €

Rezension von
Bewertung:
4

Auf einen Blick:

Gute kurzweilige Science Fiction

Das Schiff

Auf der Erde leben nur noch vier Millionen Menschen. Vor etwa 6.000 Jahren hat die Klimakatastrophe und damit einhergehende Kriege die Menschheit dezimiert. Heute wird den Menschen zum 30. Geburtstag die Unsterblichkeit geschenkt. Zumindest Altern sie nicht mehr und auch Krankheiten gibt es für sie nicht mehr. Es ist ein Leben in Frieden, Freiheit und Überfluss. Für alle Bedürfnisse sorgen die Maschinen, die die Menschen vor Jahrtausenden entworfen haben. Es sind auch die Maschinen, die sich seither weiterentwickeln, die den Menschen das ewige Leben schenken.

Und während die Menschen sich um sich selbst, ihren Konsum, ihre Bildung oder einfach nur ihrem Müßiggang kümmern, sind es die Maschinen, die das Universum erforschen. „Seit tausend Jahren schickten die intelligenten Maschinen der Erde lichtschnelle Sonden zu den Sternen. Sie sollten Kolonien gründen, die Saat des Clusters ausbringen, des Maschinenbewusstseins, seine Evolution auf der kosmischen Bühne fortsetzen und nach anderen Formen der Intelligenz suchen, nach biologischen Zivilisationen und Überlebenden des ‚Weltenbrandes‘, der vor einer Million Jahren mehrere hoch entwickelte Völker ausgelöscht hatte.“

So beginnt Andreas Brandhorst „Das Schiff“ und steckt damit gleich mal einen opulenten Rahmen ab. Für die Spannungsbögen ist gesorgt. Was war der Weltenbrand? Wer war dafür verantwortlich? Und offensichtlich gab es andere Zivilisationen, haben da welche überlebt? Welche „Außerirdischen“ gibt es oder gab es? Wie entwickelt ist das Maschinenbewusstsein? Was ist der Cluster? Und das sind nur die Fragen, die sich aus den ersten beiden Sätzen des Buches ergeben. Science Fiction steht und fällt häufig mit dem ausgeklügelten Worldbuilding. Da muss sich Brandhorst mit seinen Ideen sicher nicht verstecken.

Der Einstieg in „Das Schiff“ fällt allerdings nicht ganz leicht. Brandhorst wirft mit Begriffen aus der Zukunft recht locker um sich, was einige Male den Lesefluss zum Stocken bringt oder gleich gänzlich das Verständnis zum Erliegen bringt. Aber ich will es nicht dramatisieren, es ist lediglich ein überflüssiger Stolperstein. Danach entwickelt sich eine sehr spannende Science Fiction Story. Und Andreas Brandhorst zeigt sich als Könner des Spannungsaufbaus und der Cliff Hanger zwischen den Kapiteln. Auch wenn nicht alles gänzlich überzeugen kann und auch wenn das Maschinenbewusstsein einige leichte Logiklücken aufweist, bleibt die Gesamtspannung immer bestehen.

Auch erweist sich Brandhorsts Beschränkung auf wenige Protagonisten als äußerst angenehm. Zumindest die Beschreibung der Hauptperson ist ihm ausgezeichnet gelungen, dagegen verblassen allerdings die meisten anderen Personen, von der künstlichen Intelligenz mal ganz abgesehen. „Das Schiff“ ist kein lauter Science Fiction Kracher mit Weltraumschlachten, Kriegen und unzähligen modernen Waffensystemen. Ganz im Gegenteil ist es eine eher leise Geschichte, die dennoch nicht mit Action geizt. Mir gefällt der Schreibstil ausgezeichnet auch wenn mich nach der Lektüre die Geschichte nicht vollends überzeugen konnte. Entgegen manch anderer Rezension betrachte ich „Das Schiff“ nicht als Meisterwerk. Gute und lohnende Unterhaltung ist es aber auf jeden Fall.

Mehr Infos beim Verlag (mit Leseprobe)

Andreas Brandhorst
Das Schiff
€ 14,99
Erschienen am 05.10.2015
544 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-492-70358-1